Stellen Sie sich an einen Strand bei Antalya und drehen Sie dem Meer den Rucken zu, und da ist sie: eine lange, blaugraue Felswand, die steil hinter der Kustenebene aufragt. Das ist das Taurusgebirge, und es erklart fast alles an dieser Ecke der Turkei.
Eine Kalksteinwand hinter der Kuste
Das Taurusgebirge (Toros Daglari auf Turkisch) zieht sich in einem grossen Bogen entlang der Sudturkei, und der Abschnitt hinter Antalya gehort zu seinen dramatischsten. Es besteht weitgehend aus Kalkstein, der uber unvorstellbare geologische Zeitraume abgelagert und spater zu den heutigen Graten und Gipfeln emporgehoben wurde.
Kalkstein ist wichtiger, als es klingt. Er ist weich genug, dass Wasser ihn auflosen und formen kann, und doch fest genug, um in senkrechten Klippen zu stehen. Mit ein paar Millionen Jahren und stetigem Regen und Schmelzwasser entsteht genau die Landschaft, fur die Antalya beruhmt ist: tiefe Schluchten, verborgene Hohlen, plotzliche Quellen und turkisfarbene Flusse. Geologen nennen dies Karst, und der westliche Taurus ist ein Musterbeispiel dafur.
Wie die Berge die Flusse machen
Regen und Winterschnee fallen auf den hohen Taurus und verschwinden im Untergrund, sickern durch Risse im porosen Kalkstein. Das Wasser wandert unsichtbar durch den Fels, manchmal viele Kilometer weit, bevor es als Karstquelle am Fusse der Gebirge wieder ans Licht tritt. Weil es diese Reise tief im kuhlen Berg verbracht hat, tritt es kalt, klar und bemerkenswert sauber hervor.
Das ist das Geheimnis der Flusse der Region. Der Koprucay, der Fluss durch den Koprulu-Canyon, wird grosstenteils von diesen Karstquellen gespeist. Deshalb bleibt das Wasser kalt und leuchtet selbst in der Hitze eines Antalya-Sommers in diesem unverwechselbaren klaren Turkis, wahrend Flusse anderswo warm und trub sind. Die Berge sind gewissermassen ein riesiger naturlicher Filter und Kuhlschrank.
Warum der Koprulu-Canyon dort liegt, wo er liegt
Schluchten sind einfach die Geschichte eines Flusses, der eine sehr langsame Auseinandersetzung mit dem Fels gewinnt. Als sich der Taurus hob, gruben sich Flusse wie der Koprucay immer weiter nach unten und schnitten uber die Zeitalter hinweg durch den weichen Kalkstein steilwandige Schluchten. Der Koprulu-Canyon ist eines der schonsten Ergebnisse dieser geduldigen Arbeit: eine lange, bewaldete Kluft im Gebirge, in der sich der kalte Fluss zwischen hohen Zypressen und Kiefern schlangelt.
Seine Lage ist kein Zufall. Der Canyon liegt nordlich von Manavgat, nahe dem Dorf Beskonak, in dem Gurtel, wo der hohe Taurus auf die niedrigeren Auslaufer trifft. Hier haben die Bergflusse die meiste Energie und die tiefsten Einschnitte, und hier klammert sich noch geschutzter Wald an die Hange. Heute ist das ganze Gebiet als Koprulu-Canyon-Nationalpark geschutzt, ein Naturreservat aus Zypressen und Kiefern unter den Gipfeln.
Berge, Klima und eine kuhlere Welt flussaufwarts
Der Taurus pragt auch das Wetter. Er nimmt der Meeresluft die Feuchtigkeit, halt die Kuste warm und mediterran, wahrend das Hochland gruner, kuhler und im Winter oft schneebedeckt bleibt. Diesen Unterschied kann man an einem einzigen Tag spuren: Verlassen Sie morgens einen heissen Strand, und ein bis zwei Stunden landeinwarts und bergauf stehen Sie an einem Fluss, der kalt genug ist, um den Atem zu rauben.
Auch die Menschheitsgeschichte folgte denselben Konturen. Hoch oben an den Hangen uber dem Canyon liegen die Ruinen von Selge, einer antiken pisidischen und romischen Stadt, deren Theater noch immer den Grat beherrscht und uber eine steile Bergstrasse erreichbar ist. Darunter spannt sich noch immer die Oluk-Brucke aus romischer Zeit elegant uber den Koprucay, und der Fernwanderweg St.-Paulus-Weg fuhrt durch das weitere Gebirge. Menschen haben diese Taler stets als Wege durch den Taurus genutzt, und ihre Spuren gehoren zur Landschaft.
Der beste Weg, alles zu erleben
Man kann uber Karstquellen und aufsteigende Gebirge lesen, doch die Berge ergeben mehr Sinn, wenn man unten im Fluss ist, den sie geschaffen haben. Das Rafting auf dem Koprucay, ein freundlicher Lauf der Stufe II-III von etwa vierzehn Kilometern, tragt Sie mitten durch das Herz der Schlucht: vorbei an der alten Brucke, unter den Zypressen hindurch und durch Wasser, das so kalt und klar ist, dass es nur aus dem tiefen Inneren des Taurus stammen kann. Es ist das Wahrzeichen-Abenteuer der Region. Sehen Sie sich das gesamte Angebot an Canyon-Touren an, um zu sehen, wie ein Tag auf dem Wasser aussieht.
Wenn die Geografie Sie neugierig gemacht hat, ist der einfachste nachste Schritt, den Bergen auf Flussniveau zu begegnen. Beginnen Sie mit unserem Guide zum Koprulu-Canyon und spuren Sie dann das kalte, klare Wasser, das der Taurus seit Millionen von Jahren macht.